BASE-Publications:
Abstracts
Smith, J., & Baltes, P. B.
(1996). Altern aus psychologischer Perspektive: Trends und Profile
im hohen Alter. In K. U. Mayer & P. B. Baltes (Eds.), Die Berliner
Altersstudie (pp. 221-250). Berlin: Akademie Verlag.
In diesem Kapitel geben wir eine
allgemeine Einführung in die psychische und psychosoziale Situation der
Teilnehmer der Berliner Altersstudie (BASE). Dabei konzentrieren wir uns auf
die Bereiche geistige Leistungsfähigkeit (Intelligenz), Selbst und
Persönlichkeit sowie soziale Beziehungen. Ein zentrales Ergebnis ist, daß das
chronologische Alter innerhalb jedes dieser drei Bereiche eine unterschiedliche
Rolle spielt. Im Bereich der Intelligenz sind die in negativer Weise mit dem
Lebensalter zusammenhängenden Unterschiede zwischen 70 und 100 so groß, daß sie
bis zu 35% der individuellen Differenzen ausmachen. Wir berichten über
Analysen, die nahelegen, daß diese negativen Altersgradienten in der
intellektuellen Leistungsfähigkeit mit biologischen Abbauprozessen erklärt
werden können. In den Bereichen Selbst und Persönlichkeit und soziale
Beziehungen gibt es dagegen nur wenige Altersdifferenzen. Dies verdeutlicht die
robuste und andauernde Auswirkung selbstbezogener regulativer und adaptiver
Prozesse. Betrachtet man jedoch die Persönlichkeitsvariablen gemeinsam, findet
man Hinweise darauf, daß wünschenswerte und funktionale Eigenschaften in den
höheren Altersgruppen weniger stark ausgeprägt sind, während die weniger
wünschenswerten mit dem Alter in ihrer Ausprägung zunehmen. Dieser kleine, aber
signifikante allgemeine Trend legt nahe, daß die Hochbetagten sich nahe den
Grenzen ihrer adaptiven psychologischen Kapazitäten befinden.
Wir stellen in diesem Kapitel auch Fragen nach der psychologischen
"Gesamtstruktur" des älteren Menschen, also nach den
Ausprägungsmustern der verschiedenen psychologischen Funktionsbereiche und
möglichen Unterschieden zwischen älteren Menschen hinsichtlich dieser Profile.
Es ergeben sich zwölf Teilgruppen. Etwa 25% der Studienteilnehmer weisen ein
psychologisches Profil auf, das in der Literatur als erfolgreiches Altern
beschreiben wird. Insgesamt 35% sind dagegen in Clustern, die relativ gesehen
stärker durch psychische Dysfunktionalität gekennzeichnet sind. Es ist auch
deutlich, daß die Hochbetagten häufiger in diesen Clustern zu finden sind.