BASE-Publications: Abstracts
Reischies,
F. M., & Lindenberger, U. (1996). Grenzen und Potentiale kognitiver
Leistungsfähigkeit im Alter. In P. B. Baltes & K. U. Mayer (Eds.), Die
Berliner Altersstudie (pp. S.351-377). Berlin: Akademie Verlag.
Berichtet
werden Ergebnisse zur kognitiven Leistungsfähigkeit aus der Intensiverhebung
der Berliner Altersstudie. Zur Anwendung kamen 14 kognitive Tests, die
faktorenanalytisch je einer von fünf Fähigkeiten zugeordnet werden konnten
(Denkfähigkeit, Wahrnehmungsgeschwindigkeit, Gedächtnis, Wissen und
Wortflüssigkeit), sowie eine neuropsychologische Batterie, die in erster Linie
der Erfassung demenzbezogener Symptome diente. Die Ergebnisse lassen sich wie
folgt zusammenfassen:
- Alle fünf kognitiven
Fähigkeiten zeigten eine lineare Abnahme der Leistungshöhe mit dem Alter,
wobei die Einbußen im eher wissensfreien mechanisch-fluiden Bereich der
Intelligenz (z. B. Wahrnehmungsgeschwindigkeit, r = -0,59) stärker
ausgeprägt waren als im eher wissensbasierten pragmatisch-kristallinen
Bereich (z. B. Wissen, r = -0,41).
- Im Vergleich zu Ergebnissen
mit jüngeren Erwachsenen waren die fünf Fähigkeiten hoch und gleichförmig
miteinander korreliert, so daß ein Generalfaktor der Intelligenz die
individuellen Unterschiede in der allgemeinen kognitiven
Leistungsfähigkeit angemessen zum Ausdruck brachte.
- Die in
Untersuchungen an jüngeren Stichproben dokumentierten interindividuellen
Unterschiede in der kognitiven Leistungsfähigkeit blieben bis ins höchste
Alter erhalten.
- Lebensverlaufsbezogene
sozialstrukturell-biographische Faktoren wie z. B. Bildung und soziale
Schicht besaßen einen geringeren Vorhersagewert für individuelle
Unterschiede in der kognitiven Leistungsfähigkeit als
biologisch-medizinische Indikatoren wie z. B. Gehirnatrophie und
Sehschärfe.
- Personen mit unterdurchschnittlichen
und Personen mit überdurchschnittlichen Ausprägungen auf
sozialstrukturell-biographischen Merkmalen unterschieden sich nicht im
Ausmaß des altersbezogenen Rückgangs der kognitiven Leistungsfähigkeit.
- Bei ausreichender
Hilfestellung blieb die Merk- und Lernfähigkeit bei Personen ohne
klinische Demenzdiagnose bis ins höchste Alter erhalten. Hingegen war das
kognitive Profil von Personen, die an dementiellen Erkrankungen litten,
vor allem durch den weitgehenden und fortschreitenden Verlust dieser
Fähigkeiten gekennzeichnet.