BASE-Publications: Abstracts

Mayer, K. U., & Wagner, M. (1996). Lebenslagen und soziale Ungleichheit im hohen Alter. In K. U. Mayer & P. B. Baltes (Eds.), Die Berliner Altersstudie (pp. 251-275). Berlin: Akademie Verlag.

Dieser Beitrag untersucht, inwieweit sozioökonomische Bedingungen die Lebenslagen und sozialen Aktivitäten alter und sehr alter Menschen beeinflussen. Hierzu werden drei Hypothesen formuliert: (a) die These der Altersbedingtheit, nach der sozioökonomische Faktoren gegenüber altersabhängigen Bedingungen, wie z. B. Gesundheit, in ihrer Erklärungskraft zurücktreten, (b) die These sozioökonomischer Differenzierung, die einen kontinuierlichen Einfluß der sozialen Schicht und anderer sozioökonomischer Bedingungen auf Lebenslagen und Aktivitäten im Alter behauptet, sowie (c) die Kumulationshypothese, nach der sich sozioökonomische Differenzierungen mit dem Alter verstärken. Die These der Altersbedingtheit wird im Hinblick auf die gesellschaftliche Beteiligung alter Menschen bestätigt. Wenn auch ihr Niveau bei den 70- bis 84jährigen mit der Höhe der Schichtzugehörigkeit steigt, so verstärken sich gesundheitliche Faktoren bei den 85jährigen und Älteren. Wir finden aber im Hinblick auf die Einkommenslage und Wohnsituation der Privathaushalte keine oder nur sehr geringe Altersunterschiede. Die These der sozioökonomischen Differenzierung läßt sich also insoweit erhärten, als Schichtzugehörigkeit und Ausbildung das Einkommensniveau im Alter prägen. Für die Kumulationshypothese im Sinne einer höheren Bedeutung sozioökonomischer Ungleichheiten spricht nur der Befund, daß (vor allem männliche) Angehörige höherer Sozialschichten nur sehr selten in einem Heim leben und eher zu Hause gepflegt werden. Überraschend ist der Befund, daß Indikatoren der körperlichen und geistigen Gesundheit im Alter -- mit Ausnahme der Demenz -- zwischen Sozialschichten kaum variieren.