BASE-Publications: Abstracts
Maas,
I., & Staudinger, U. M. (1996). Lebensverlauf und Altern: Kontinuität und
Diskontinuität der gesellschaftlichen Beteiligung, des Lebensinvestments und
ökonomischer Ressourcen. In P. B. Baltes & K. U. Mayer (Eds.), Die
Berliner Altersstudie (pp. 543-572). Berlin: Akademie Verlag.
Unter
der Überschrift Kontinuität und Diskontinuität von Entwicklung haben wir in
diesem Kapitel gefragt, ob Verhaltensweisen oder Eigenschaften, wenn man
verschiedene Personen in der Höhe der Ausprägung und in der Rangfolge
miteinander vergleicht, im Lebensverlauf gleich bleiben (deskriptive
Kontinuität) oder sich verändern und ob die diesen beobachteten
Verhaltensweisen oder Merkmalen zuzuordnenden Erklärungszusammenhänge die
gleichen bleiben (erklärende Kontinuität). Als Beispiele dienten drei Merkmale:
gesellschaftliche Beteiligung, subjektives Lebensinvestment (selbsteingeschätztes
Ausmaß des Denkens und Tuns in zehn zentralen Lebensbereichen) und ökonomische
Ressourcen einer Person. Insgesamt weisen die Ergebnisse darauf hin, daß
deskriptive Kontinuität vorherrscht, es gibt jedoch auch Hinweise auf
diskontinuierliche Prozesse. Besonders altersbedingte Einbußen in der
körperlich-geistigen Funktionsfähigkeit und weniger externe sozialstrukturelle
Merkmale (z. B. Bildungsniveau, Schichtzugehörigkeit, Umzüge, Arbeitslosigkeit)
tragen zum Auftreten solcher Diskontinuitäten im hohen Alter bei. Einen ähnlich
diskontinuitätserzeugenden Effekt hatte nur noch die Scheidung für die
ökonomischen Ressourcen von Frauen im Alter. Es fiel weiterhin auf, daß interne
Entwicklungskontexte wie Persönlichkeitsmerkmale und geistige Fähigkeiten kontinuierlichere
Auswirkungen zu haben scheinen als sozialstrukturelle Merkmale. Die subjektive
Rekonstruktion von Entwicklung schließlich zeichnete sich zum einen durch einen
starken Trend zur Konstruktion von Kontinuität aus, aber dies nicht um jeden
Preis. Denn zum anderen spiegelten sich in der Entwicklungsrekonstruktion
durchaus auch externe Entwicklungskontexte wider. Die relativ starke Rolle, die
kontinuierlichen Einflußprozessen bei der Erklärung der von uns untersuchten
Beispiele zukam, legt den Schluß nahe, daß Kenntnisse über den vorangegangenen
Lebensverlauf wesentlich zum Verständnis des Alterns beitragen.