Wagner, G. G., Motel-Klingebiel, A., Spieß, C. K., & Wagner, M. (2010). Wirtschaftliche Lage und wirtschaftliches Handeln alter Menschen. In U. Lindenberger, J. Smith, K. U. Mayer, & P. B. Baltes (Eds.), Die Berliner Altersstudie (3rd ed., pp. 301–323). Berlin: Akademie Verlag.

 

Zusammenfassung

 

Die Analyse der Einkommens- und Vermögensverteilung und ausgewählter Bereiche der Einkommensverwendung der Teilnehmer an der Berliner Altersstudie (BASE) zeigt, dass die wirtschaftliche Lage der 70jährigen und älteren Westberliner ebenso wie die aller alten Menschen in Deutschland weder besonders schlecht noch besonders gut ist. Das soziale Sicherungssystem erfüllt weitgehend seine Ziele, indem es eine große Kontinuität der ökonomischen Lage zwischen mittleren und späten Lebensabschnitten herstellt. Aber selbst dann, wenn von Armut – wie beispielsweise in West-Berlin – nur etwa 3% der alten Menschen betroffen sind, ist dies zu viel, da einkommensarme Rentner nicht mehr in der Lage sind, Handlungsreserven in Form von Erwerbstätigkeit zu mobilisieren. Auch BASE zeigt, dass das Ausmaß der Alterserwerbstätigkeit sehr gering ist (3% der untersuchten Westberliner Altenpopulation) und zudem eher von ökonomisch gut Gestellten ausgeübt wird. Auch im Hinblick auf die Wohnsituation zeigt sich eine ausreichende Versorgung der alten Menschen. Allerdings muss auch hier berücksichtigt werden, dass 6% der alten Westberliner in besonders schlecht ausgestatteten Wohnungen leben. Die alten Westberliner nehmen soziale Dienste zurückhaltend in Anspruch: Etwa die Hälfte der alten Menschen erhält professionelle Hilfe bei der Haushaltsführung, der Erledigung ihrer finanziellen Angelegenheiten oder besucht Veranstaltungen für Senioren. Dabei steigt die Inanspruchnahme mit zunehmendem Bildungsgrad. Das geringe Niveau und die sozialdifferentielle Inanspruchnahme dieser Dienste wird die Diskussion der traditionellen monetären Sozialpolitik künftig in den Hintergrund treten lassen. Der größte sozial- und gesundheitspolitische Innovationsbedarf wird sich im Bereich von integrierten, interdisziplinären Beratungs-, Behandlungs- und Pflegekonzepten zeigen. Zur Verbesserung der wirtschaftlichen Lage und des wirtschaftlichen Handelns alter Menschen könnten „Alten-Agenturen“ dienen, die alten Menschen helfen, die verschiedenen Hilfsmöglichkeiten, die es bereits jetzt gibt, auch tatsächlich wahrzunehmen. Alten-Agenturen sollten auch im Namen ihrer Klienten Sozialhilfe beantragen können.