Wagner, M., Schütze, Y., & Lang, F. R. (2010). Soziale Beziehungen alter Menschen. In U. Lindenberger, J. Smith, K. U. Mayer, & P. B. Baltes (Eds.), Die Berliner Altersstudie (3rd ed., pp. 325–343). Berlin: Akademie Verlag.

 

Zusammenfassung

 

Dieser Beitrag verfolgt das Ziel, Anzahl, Art und Leistungen sozialer Beziehungen im Alter zu beschreiben. Darüber hinaus wird untersucht, welche Folgen Verwitwung, Kinderlosigkeit und Heimaufenthalt für soziale Beziehungen und Einsamkeitsgefühle alter Menschen haben. Als Datenbasis dienten Selbstbeschreibungen der untersuchten alten Menschen. Die Ergebnisse zeigen, dass es weder gerechtfertigt ist, die soziale Integration alter Menschen einseitig beispielsweise als durch Rollenlosigkeit geprägt zu bezeichnen, noch davon auszugehen, dass soziale Beziehungen in quantitativer und qualitativer Hinsicht bis ins hohe Alter hinein unverändert bestehen bleiben. Zu berücksichtigen ist, dass es eine hohe Kinderlosigkeit unter den 85jährigen und Älteren gibt, diese aber in erster Linie als Kohorteneffekt interpretiert werden muss. Während der Verlust von Verwandten aus der eigenen Generation eine typische Erfahrung im sehr hohen Alter darstellt, gewinnt die Urgroßelternschaft an Bedeutung. Im Hinblick auf die Nicht- Verwandten ergeben sich ebenso keine einheitlichen Altersunterschiede: Während Freunde mit dem Alter seltener werden, bleibt der Anteil alter Menschen, die andere Nicht-Verwandte zu ihrem Netzwerk zählen, relativ konstant. Das soziale Netzwerk der Verwitweten ist ähnlich strukturiert wie das der Verheirateten. Hingegen haben Kinderlose im Vergleich zu Eltern und Heimbewohner im Vergleich zu Personen in Privathaushalten kleinere Netzwerke. Verheiratete fühlen sich seltener einsam, Heimbewohner und Kinderlose häufiger. Die 85jährigen und Älteren empfangen zwar deutlich mehr Hilfe, als sie geben, es ist jedoch bemerkenswert, dass auch einige sehr alte Menschen andere noch unterstützen.