Kage, A., Nitschke, I., Fimmel, S., & Köttgen, E. (2010). Referenzwerte im Alter: Beeinflussung durch Alter, Medikation und Morbidität. In U. Lindenberger, J. Smith, K. U. Mayer, & P. B. Baltes (Eds.), Die Berliner Altersstudie (3rd ed., pp. 429–451). Berlin: Akademie Verlag.

 

Zusammenfassung

 

Der vorliegende Beitrag zeigt die Verteilung von klinisch-chemischen Laborwerten des Blutes und des Speichels (Laborkenngrößen) im hohen Alter. Insgesamt finden sich keine wesentlichen Abweichungen der Referenzbereiche im Alter im Vergleich zu jüngeren Referenzstichproben. Untersuchungen zum Einfluss der Medikation zeigen, dass die Blutglucose signifikant beeinflusst wird. In Übereinstimmung mit Ergebnissen anderer Studien lässt sich darüber hinaus eine kontinuierliche Erhöhung von Laborkenngrößen der Niere und damit eine Verschlechterung der Nierenfunktion bis ins sehr hohe Alter nachweisen. Möglicherweise durch diese zunehmende Niereninsuffizienz bedingt, werden einige weitere altersbezogene Veränderungen wie z. B. der Hämatopoese oder des Calciumstoffwechsels gefunden. Die Degression der Nierenfunktion mit dem Alter wäre damit Ursache weiterer systemischer Altersveränderungen und eines systemischen Alterns. Auf der Grundlage eines gestuften Morbiditätsmodells kann gezeigt werden, dass beispielsweise altersunabhängig mit zu nehmender Morbidität Elektrolytveränderungen im Serum stattfinden und die Konzentration des Gesamtproteins sinkt.

Untersuchungen des Speichels belegen, dass es keinen Altersunterschied der Speichelmenge nach Stimulation der Speichelsekretion gibt: Dies ist Ausdruck einer ausreichenden Kapazitätsreserve. Hingegen sinkt die Ruhespeichelmenge im sehr hohen Alter leicht ab. Auch die Konzentration des sekretorischen Immunglobulins A (sIgA) als Kenngröße humoraler Immunität vermindert sich nicht mit zunehmendem Alter. Die oligosaccharid-vermittelte antiadhäsive Aktivität des Speichels gegenüber einigen pflanzlichen Lektinen ist abhängig vom Geschlecht und vermindert sich mit steigendem Alter gegenüber verschiedenen Lektinen mit Spezifität für bestimmte Sialylreste. Daraus lässt sich eine im Alter erhöhte Anfälligkeit beispielsweise für Viren wie Influenzavirus und Rotavirus erklären, die spezifisch an Oligosaccharide mit terminalen Sialylgruppen adhärieren.