Smith, J., Fleeson, W., Geiselmann, B., Settersten, R. A., Jr., & Kunzmann, U. (2010). Wohlbefinden im hohen Alter: Vorhersagen aufgrund objektiver Lebensbedingungen und subjektiver Bewertung. In U. Lindenberger, J. Smith, K. U. Mayer, & P. B. Baltes (Eds.), Die Berliner Altersstudie (3rd ed., pp. 521–547). Berlin: Akademie Verlag.

 

Zusammenfassung

 

In jedem Alter streben Menschen nach Wohlbefinden. Dabei setzen sie sich ihre eigenen Lebensziele und verwenden ihre persönlichen Maßstäbe, um ihren Fortschritt beim Erreichen dieser Ziele zu beurteilen. Gleichzeitig sind aber allgemeine Lebens ziele und Niveaus des Wohlbefindens auch durch gesellschaftliche Gelegenheitsstrukturen und kulturelle Wertsysteme geprägt. Genau diese dialektische Perspektive zeigt, wie sehr dieses Thema für einen multidisziplinären Forschungsansatz geeignet ist. Ziel dieses Kapitels ist es, Fragen über das Wohlbefinden im hohen Alter aus medizinischer, soziologischer und psychologischer Perspektive zu betrachten. Wir berichten über die Niveaus des Wohlbefindens, die die Teilnehmer der Berliner Altersstudie (BASE) angeben, und untersuchen, welchen Beitrag spezifische Lebensbereiche zur Gesamtbewertung des individuellen Wohlbefindens leisten. Anhand der Querschnittsdaten von BASE können wir allerdings nur eine momentane Bestandsaufnahme des Wohlbefindens der BASE-Teilnehmer geben. Es zeigte sich, dass die meisten Studienteilnehmer trotz zum Teil erheblicher Einbußen in ihren Lebensbedingungen angaben, zufrieden zu sein. Es gibt aber auch Hinweise darauf, dass die Häufigkeit, in der positive Emotionen erlebt werden, mit zunehmendem Alter abnimmt. Die Ergebnisse über das subjektive Wohlbefinden veranschaulichen die bemerkenswerte Fähigkeit alter Menschen, sich durch selbstbezogene Regulationsprozesse ihren Lebensumständen anzupassen. Wir müssen aber darauf hinweisen, dass die Anforderungen und Verluste des hohen Alters diese psychologische Widerstandsfähigkeit an ihre Grenzen führen könnte. Aus dieser Perspektive wird die Notwendigkeit deutlich, das Wohlbefinden alter Menschen zu unterstützen. Es gibt viel Raum für Verbesserungen ihrer Lebensumstände durch technologische Entwicklung, politische Maßnahmen und gesellschaftliche Veränderung.