Baltes, M. M., Maas, I., Wilms, H.-U., & Borchelt, M. (2010). Alltagskompetenz im Alter: Theoretische Überlegungen und empirische Befunde. In U. Lindenberger, J. Smith, K. U. Mayer, & P. B. Baltes (Eds.), Die Berliner Altersstudie (3rd ed., pp. 549–566). Berlin: Akademie Verlag.

 

Zusammenfassung

 

Ziel dieses Kapitels ist es, die Wurzeln des Begriffes Alltagskompetenz zu beleuchten und darauf aufbauend ein Modell der Alltagskompetenz zu entwickeln. Es wird ein Zweikomponentenmodell vorgestellt, das zwischen einer basalen Kompetenz und einer erweiterten Kompetenz unterscheidet, und zwar aufgrund unterschiedlich motivierter und unterschiedlich bedingter Aktivitäten. So umfasst die basale Kompetenz (Basic Competence, BaCo) Aktivitäten, die hoch automatisiert und zum Überleben notwendig sind und von daher als hauptsächlich durch Gesundheitsfaktoren bedingt gesehen werden. Im Gegensatz dazu beinhaltet die erweiterte Kompetenz (Expanded Competence, ExCo) Aktivitäten, die individuellen Präferenzen, Motiven, Fähigkeiten und Interessen entspringen und von daher im wesentlichen von psychosozialen Faktoren abhängig sind. Dieses Modell verlangt demnach nicht nur eine multidimensionale Erfassung der zwei Komponenten, sondern auch des Bedingungsgefüges. Eine solche Möglichkeit bietet die Berliner Altersstudie, mit deren interdisziplinärer Untersuchung einer repräsentativen Stichprobe ein solches Modell getestet werden kann. Die Ergebnisse unterstützen das Modell. Implikationen für die weitere wissenschaftliche Theorienbildung sowie für die praktische Umsetzung der Ergebnisse werden diskutiert.