Maas, I., & Staudinger, U. M. (2010). Lebensverlauf und Altern: Kontinuität und Diskontinuität der gesellschaftlichen Beteiligung, des Lebensinvestments und ökonomischer Ressourcen. In U. Lindenberger, J. Smith, K. U. Mayer, & P. B. Baltes (Eds.), Die Berliner Altersstudie (3rd ed., pp. 567–596). Berlin: Akademie Verlag.

 

Zusammenfassung

 

Unter der Überschrift Kontinuität und Diskontinuität von Entwicklung haben wir uns in diesem Kapitel zwei Fragen gestellt. Erstens, ob Verhaltensweisen oder Eigenschaften, wenn man verschiedene Personen in der Höhe der Ausprägung und in der Rangfolge miteinander vergleicht, im Lebensverlauf gleich bleiben (deskriptive Kontinuität) oder sich verändern. Zweitens, ob die diesen beobachteten Verhaltensweisen oder Merkmalen zuzuordnenden Erklärungszusammenhänge die gleichen bleiben (erklärende Kontinuität). Als Beispiele dienten drei Merkmale: gesellschaftliche Beteiligung, subjektives Lebensinvestment (selbsteingeschätztes Ausmaß des Denkens und Tuns in zehn zentralen Lebensbereichen) und ökonomische Ressourcen einer Person. Insgesamt weisen die Ergebnisse darauf hin, dass deskriptive Kontinuität vorherrscht, es gibt jedoch auch Hinweise auf diskontinuierliche Prozesse. Besonders altersbedingte Einbußen in der körperlich-geistigen Funktionsfähigkeit tragen zum Auftreten solcher Diskontinuitäten im hohen Alter bei und weniger externe sozialstrukturelle Merkmale (z. B. Bildungsniveau, Schichtzugehörigkeit, Umzüge, Arbeitslosigkeit). Einen ähnlich diskontinuitätserzeugenden Effekt hatte nur noch die Scheidung für die ökonomischen Ressourcen von Frauen im Alter. Es fiel weiterhin auf, dass interne Entwicklungskontexte wie Persönlichkeitsmerkmale und geistige Fähigkeiten kontinuierlichere Auswirkungen zu haben scheinen als sozialstrukturelle Merkmale. Die subjektive Rekonstruktion von Entwicklung schließlich zeichnete sich zum einen durch einen starken Trend zur Konstruktion von Kontinuität aus, aber dies nicht um jeden Preis. Denn zum anderen spiegelten sich in der Entwicklungsrekonstruktion durchaus auch externe Entwicklungskontexte wider. Die relativ starke Rolle, die kontinuierlichen Einflussprozessen bei der Erklärung der von uns untersuchten Beispiele zukam, legt den Schluss nahe, dass Kenntnisse über den vorangegangenen Lebensverlauf wesentlich zum Verständnis des Alterns beitragen.