Smith, J., & Baltes, P. B. (2010). Altern aus psychologischer Perspektive: Trends und Profile im hohen Alter. In U. Lindenberger, J. Smith, K. U. Mayer, & P. B. Baltes (Eds.), Die Berliner Altersstudie (3rd ed., pp. 245–274). Berlin: Akademie Verlag.

 

Zusammenfassung

 

In diesem Kapitel geben wir eine allgemeine Einführung in die psychische und psychosoziale Situation der Teilnehmer der Berliner Altersstudie (BASE). Dabei konzentrieren wir uns auf die Bereiche geistige Leistungsfähigkeit (Intelligenz), Selbst und Persönlichkeit sowie soziale Beziehungen. Ein zentrales Ergebnis ist, dass das chronologische Alter innerhalb jedes dieser drei Bereiche eine unterschiedliche Rolle spielt. Im Bereich der Intelligenz sind die in negativer Weise mit dem Lebensalter zusammenhängenden Unterschiede zwischen 70 und 100 so groß, dass sie bis zu 35% der individuellen Differenzen ausmachen. Wir berichten über Analysen, die nahelegen, dass diese negativen Altersgradienten in der intellektuellen Leistungsfähigkeit mit biologischen Abbauprozessen erklärt werden können. In den Bereichen Selbst und Persönlichkeit und soziale Beziehungen gibt es dagegen nur wenige Altersdifferenzen. Dies verdeutlicht die robuste und andauernde Auswirkung selbstbezogener regulativer und adaptiver Prozesse. Betrachtet man jedoch die Persönlichkeitsvariablen gemeinsam, findet man Hinweise darauf, dass wünschenswerte und funktionale Eigenschaften in den höheren Altersgruppen weniger stark ausgeprägt sind, während die weniger wünschenswerten mit dem Alter in ihrer Ausprägung zunehmen. Dieser kleine, aber signifikante allgemeine Trend legt nahe, dass Hochbetagte sich näher an den Grenzen ihrer adaptiven psychologischen Kapazitäten befinden.

Wir stellen in diesem Kapitel auch Fragen nach der psychologischen „Gesamtstruktur“ des älteren Menschen, also nach den Ausprägungsmustern der verschiedenen psychologischen Funktionsbereiche und möglichen Unterschieden zwischen älteren Menschen hinsichtlich dieser Profile. Es ergeben sich zwölf Teilgruppen. Etwa 25% der Studienteilnehmer weisen ein psychologisches Profil auf, das in der Literatur als erfolgreiches Altern beschrieben wird. Insgesamt 35% sind dagegen in Teilgruppen, die relativ gesehen stärker durch psychische Dysfunktionalität gekennzeichnet sind. Es ist auch deutlich, dass die Hochbetagten häufiger in diesen Teilgruppen zu finden sind.