BASE-Publications: Abstracts
Kage,
A., Nitschke, I., Fimmel, S., & Köttgen, E. (1996). Referenzwerte im Alter:
Beeinflussung durch Alter, Medikation und Morbidität. In K. U. Mayer & P.
B. Baltes (Eds.), Die Berliner Altersstudie (pp. 405-427). Berlin:
Akademie Verlag.
Der
vorliegende Beitrag zeigt die Verteilung von klinisch-chemischen Laborwerten
des Blutes und des Speichels (Laborkenngrößen) im hohen Alter. Insgesamt finden
sich keine wesentlichen Abweichungen der Referenzbereiche im Alter im Vergleich
zu jüngeren Referenzstichproben. Untersuchungen zum Einfluß der Medikation
zeigen, daß die Blutglucose signifikant beeinflußt wird. In Übereinstimmung mit
Ergebnissen anderer Studien läßt sich darüber hinaus eine kontinuierliche
Erhöhung von Laborkenngrößen der Niere und damit eine Verschlechterung der
Nierenfunktion bis ins sehr hohe Alter nachweisen. Möglicherweise durch diese
zunehmende Niereninsuffizienz bedingt, werden einige weitere altersbezogene
Veränderungen wie zum Beispiel der Hämatopoese oder des Calciumstoffwechsels
gefunden. Die Degression der Nierenfunktion mit dem Alter wäre damit Ursache
weiterer systemischer Altersveränderungen und eines systemischen Alterns. Auf
der Grundlage eines gestuften Morbiditätsmodells kann gezeigt werden, daß
beispielsweise altersunabhängig mit zunehmender Morbidität
Elektrolytveränderungen im Serum stattfinden und die Konzentration des
Gesamtproteins sinkt.
Untersuchungen des Speichels belegen, daß es keinen Altersunterschied der
Speichelmenge nach Stimulation der Speichelsekretion gibt: Dies ist Ausdruck
einer ausreichenden Reservekapazität. Hingegen sinkt die Ruhespeichelmenge im
sehr hohen Alter leicht ab. Auch die Konzentration des sekretorischen
Immunglobulins A (sIgA) als Kenngröße humoraler Immunität vermindert sich nicht
mit zunehmendem Alter. Die oligosaccharid-vermittelte antiadhäsive Aktivität
des Speichels gegenüber einigen pflanzlichen Lektinen ist abhängig vom
Geschlecht und vermindert sich mit steigendem Alter gegenüber verschiedenen
Lektinen mit Spezifität für bestimmte Sialylreste. Daraus läßt sich eine im
Alter erhöhte Anfälligkeit beispielsweise für Viren wie Influenzavirus und
Rotavirus erklären, die spezifisch an Oligosaccharide mit terminalen
Sialylgruppen adhärieren.