BASE-Publications: Abstracts
Wagner,
M., Schütze, Y., & Lang, F. R. (1996). Soziale Beziehungen alter Menschen.
In P. B. Baltes & K. U. Mayer (Eds.), Die Berliner Altersstudie (pp.
301-319). Berlin: Akademie Verlag.
Dieser
Beitrag verfolgt das Ziel, Anzahl, Art und Leistungen sozialer Beziehungen im
Alter zu beschreiben. Darüber hinaus wird untersucht, welche Folgen Verwitwung,
Kinderlosigkeit und Heimaufenthalt für soziale Beziehungen und
Einsamkeitsgefühle alter Menschen haben. Als Datenbasis dienten
Selbstbeschreibungen der untersuchten alten Menschen. Die Ergebnisse zeigen,
daß es weder gerechtfertigt ist, die soziale Integration alter Menschen
einseitig beispielsweise als durch Rollenlosigkeit geprägt zu bezeichnen, noch
davon auszugehen, daß soziale Beziehungen in quantitativer und qualitativer
Hinsicht bis ins hohe Alter hinein bestehen bleiben. Zu berücksichtigen ist,
daß es eine hohe Kinderlosigkeit unter den 85jährigen und Älteren gibt, diese
aber in erster Linie als Kohorteneffekt interpretiert werden muß. Während der
Verlust von Verwandten aus der eigenen Generation eine typische Erfahrung im
sehr hohen Alter darstellt, gewinnt die Urgroßelternschaft an Bedeutung. Im
Hinblick auf die Nicht-Verwandten ergeben sich ebenso keine einheitlichen
Altersunterschiede: Während Freunde mit dem Alter seltener werden, bleibt der
Anteil alter Menschen, die andere Nicht-Verwandte zu ihrem Netzwerk zählen,
relativ konstant. Das soziale Netzwerk der Verwitweten ist ähnlich strukturiert
wie das der Verheirateten. Hingegen haben Kinderlose im Vergleich zu Eltern und
Heimbewohner im Vergleich zu Personen in Privathaushalten kleinere Netzwerke.
Verheiratete fühlen sich seltener einsam, Heimbewohner und Kinderlose häufiger.
Die 85jährigen und Älteren empfangen zwar deutlich mehr Hilfe, als sie geben,
es ist jedoch bemerkenswert, daß auch einige sehr alte Menschen andere noch unterstützen.