BASE-Publications: Abstracts
Smith,
J., Fleeson, W., Geiselmann, B., Settersten, R. A., & Kunzmann, U. (1996).
Wohlbefinden im hohen Alter: Vorhersagen aufgrund objektiver Lebensbedingungen
und subjektiver Bewertung. In K. U. Mayer & P. B. Baltes (Eds.), Die
Berliner Altersstudie (pp. 498-523). Berlin: Akademie Verlag.
In
jedem Alter streben Menschen nach Lebenszufriedenheit. Dabei setzen sie sich
ihre eigenen Lebensziele und verwenden ihre persönlichen Maßstäbe, um ihren
Fortschritt beim Erreichen dieser Ziele zu beurteilen. Gleichzeitig sind aber
allgemeine Lebensziele und Niveaus des Wohlbefindens auch durch
gesellschaftliche Gelegenheitsstrukturen und kulturelle Wertsysteme geprägt.
Genau diese dialektische Perspektive zeigt, wie sehr dieses Thema für einen
multidisziplinären Forschungsansatz geeignet ist.
Ziel dieses Kapitels ist es, Fragen über das Wohlbefinden im hohen Alter aus
medizinischer, soziologischer und psychologischer Perspektive zu betrachten.
Dazu berichten wir über die Niveaus des Wohlbefindens, die die Teilnehmer der
Berliner Altersstudie (BASE) angeben, und untersuchen, welchen Beitrag
spezifische Lebensbereiche zur Gesamtbewertung des individuellen Wohlbefindens
leisten. Anhand der Querschnittsdaten von BASE können wir allerdings nur eine
momentane Bestandsaufnahme des Wohlbefindens der BASE-Teilnehmer geben. Es
zeigte sich, daß die meisten Studienteilnehmer trotz zum Teil erheblicher
Einbußen in ihren Lebensbedingungen angaben, zufrieden zu sein. Es gibt aber
auch Hinweise darauf, daß die Häufigkeit, in der positive Emotionen erlebt
werden, mit zunehmendem Alter abnimmt. Die Ergebnisse über das subjektive
Wohlbefinden veranschaulichen die bemerkenswerte Fähigkeit alter Menschen, sich
durch selbstbezogene Regulationsprozesse ihren Lebensumständen anzupassen. Wir
müssen aber darauf hinweisen, daß die Anforderungen und Verluste des hohen
Alters diese psychologische Widerstandsfähigkeit an ihre Grenzen führen könnte.
Aus dieser Perspektive wird die Notwendigkeit deutlich, das Wohlbefinden alter
Menschen zu unterstützen. Es gibt viel Raum für Verbesserungen ihrer
Lebensumstände durch technologische Entwicklung, politische Maßnahmen und
gesellschaftliche Veränderung.